24.02.2014

Ist Sexting strafbar?

Das Thema Sexting ist derzeit in aller Munde. Die Medien berichten darüber und auch wir kennen mehrere Fälle von verschickten Sex-Bildern unter Jugendlichen. Doch was sagt das Gesetz dazu? Dürfen Jugendliche Nacktbilder von sich verschicken? Was passiert, wenn dir jemand so ein Foto zuschickt? Hjördis Lademann ist Rechtsexpertin bei jugendschutz.net und beantwortet für dich die wichtigsten Fragen.

1. Können Jugendliche wegen des Versendens von Nacktbildern ins Gefängnis kommen?

Der Versand von sogenannten Sexting-Aufnahmen ist aus rechtlicher Sicht problematisch und kann Folgen haben. Besonders relevant sind pornografische Darstellungen, die Kinder (unter 14 Jahren) und Jugendliche (unter 18 Jahren) zeigen – denn hier handelt es sich dann um Kinder- bzw. Jugendpornografie.

Unter Strafe gestellt ist die Verbreitung der (pornografischen) Bilder. Das wäre der Fall, wenn Sexting-Aufnahmen öffentlich ins Internet gestellt, also z.B. bei Facebook hochgeladen werden. Strafbar wäre es aber beispielsweise auch, diese Bilder an eine WhatsApp-Gruppe mit zahlreichen Mitgliedern zu verschicken.

Der Strafrahmen liegt bei bis zu 3 bzw. 5 Jahren Gefängnis. Kinder (unter 14) sind nicht strafmündig.

2. Gibt es einen Unterschied ob ich Nacktbilder von anderen oder Bilder von mir selbst verschicke?

Ja, wenn ich meine eigenen Bilder versende, kann eine Strafbarkeit wegen der Verbreitung von Kinder/Jugendpornografie vorliegen.

Wenn ich Bilder von anderen, ohne deren Einwilligung, verschicke, kommt zusätzlich noch eine mögliche Verletzung deren Persönlichkeitsrechts, des Urheberrecht etc, hinzu, woraus ein Schadensersatzanspruch folgen kann. Hierzu muss das Nacktbild auch nicht pornografisch sein.

3. Was kann ich tun, wenn ein anzügliches Foto von mir in Umlauf geraten ist und immer weiter geschickt wird?

Bei Minderjährigen ist es hilfreich, wenn sie sich zunächst an einen Erwachsenen wenden, dem sie vertrauen. Dieser kann sie bei weiteren möglichen Schritten unterstützen.

  • Strafanzeige gegen den/die Versender bei der Polizei stellen, gegebenenfalls wegen Verbreitung von Kinder-/Jugend-/Pornografie – hierfür sollten alle Informationen gesichert werden, die man hat, z.B. auch in Form von Screenshots.
  • Zivilrechtlich mit einem Anwalt gegen den/die Versender vorgehen z.B. wegen Verletzung des Persönlichkeitsrechts, evtl. Urheberrecht, um einen Unterlassungsanspruch und ggf. Schadensersatz zu erwirken.
  • Wenn möglich den Anbieter des Dienstes um Löschung bitten – Kontaktdaten findet man meist im Impressum oder im Hilfebereich.

4. Wie soll ich reagieren, wenn mir solche Sexting-Bilder (ungewollt) zugeschickt werden?

Bei kinder- und jugendpornografischen Bildern sollte man sofort Anzeige bei der Polizei erstatten. Anschließend müssen die Bilder direkt gelöscht werden, denn auch der Besitz kann strafbar sein. Auf keinen Fall die Fotos weiterschicken!

Wenn ihr noch weitere Fragen zum Thema habt, schreibt uns doch einfach eine E-Mail. Wir behandeln eure Anfragen streng vertraulich!

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