Warum verbringen wir auf YouTube manchmal so viel Zeit, obwohl wir eigentlich nur kurz ein Video schauen wollten?

Wer kennt das nicht: Du liegst zuhause auf der Couch und du solltest eigentlich unbedingt etwas für die Schule machen. Aber da fällt dir das neue Video auf YouTube ein, über das deine Freunde in der Schule geredet haben. Weil du heute in der Pause nicht mitreden konntest, gehst du auf YouTube und schaust dir das Video an – und auf einmal ist eine Stunde vorbei. Dabei wolltest du dir doch nur das eine Video ansehen!

Du bist nicht allein mit dem Problem

Laut YouTube werden täglich Videos mit einer Gesamtdauer von einer Milliarde Stunden abgespielt! Für diese große Zahl kannst nicht du allein verantwortlich sein. Aber was macht YouTube für uns so interessant? Du bist vielleicht gerne auf YouTube weil die Videos dich zum Lachen bringen, um dich abzulenken oder damit du up-to-date bist. So ähnlich geht es vielen Anderen auch. Egal ob Katzen-, Musikvideos oder Tutorials – auf YouTube findet man schließlich alles wonach man sucht. Oder auch nicht mal wusste, dass man danach gesucht hat. Schauen wir nicht alle länger YouTube-Videos als wir uns vorgenommen haben?

Teddy schaut YouTube

YouTube schubst uns in eine Richtung

Auch YouTube hat seine Tricks, damit wir länger auf der Seite bleiben, beispielsweise indem ein neues Video automatisch nach dem vorherigen startet. Man spricht hier von Autoplay. Dieser “Schubs in die richtige Richtung”, also dass man sich noch ein Video ansieht, bezeichnen Forscher als Nudging (von to nudge: schubsen).
Nudging hat zum Ziel, dass man sich genauso verhält, wie jemand anderes es möchte. YouTube versucht daher durch sogenannte Nudges (unter anderem Autoplay), die Entscheidungen der Nutzer zu beeinflussen. Und zwar ohne, dass man es merkt oder man sich „ferngesteuert“ fühlt! Nudging auf YouTube ist deswegen eine gute und erfolgreiche Strategie aus Sicht des Unternehmens, weil wir Menschen uns manchmal schnell von unseren eigentlichen Aufgaben ablenken lassen und einfach länger auf der Plattform YouTube bleiben. Je länger wie YouTube Videos schauen, desto mehr Geld verdient YouTube mit uns. Klar also, dass YouTube Interesse an Nudging hat. 

So schubst dich YouTube zum Weiterschauen:

  • YouTube schlägt dir an der Seite Videos vor, die dir gut gefallen könnten. YouTube kennt dich und weiß ziemlich genau worauf du stehst. Da fällt es schwer, nicht auf einen der Vorschläge zu klicken und weiterzuschauen. 

  • Ohoh, Autoplay! Auch wenn du mal wirklich aufhören willst, Videos zu schauen: Zu spät geklickt schon startet durch Auoplay das nächste Video... und jetzt bleibst du doch wieder dran. 

  • Per Push Nachricht erfährst du am Smartphone von den besten neuen Videos. Na toll, da willst du natürlich gleich reinschauen. Und kommst dann durch die anderen Tricks nicht mehr so leicht los...

Auch YouTuber schubsen uns

Aber nicht nur YouTube selbst, sondern auch die YouTuber auf der Plattform setzen bestimmte Nudges ein, um dein Verhalten zu beeinflussen.

...und so machen es YouTuber:

  • SCHOCK! Du wirst es nicht Glauben! OMG! Mit solchen Clickbait-Titeln kriegen uns YouTuber immernoch immer wieder rum, auf ihr Video zu klicken. 

  • Du hast schon Teile 1 und 2 vom Video geschaut? Klar, jetzt bleibst du auch für die nächsten Teile dran. So schaffen es YouTuber, dass du mehrere Videos schaust obwohl es dir vorkommt, als wäre es nur eins. 

  • Du magst deine YouTuber und sie geben dir das Gefühl, dass du sie auch ganz gut kennst. Klar, dass du da noch mehr über sie erfahren möchtest und alle Videos schauen willst. 

Unser Tipp:

Sei dir bewusst über die Tricks, die YouTube anwendet, damit du länger auf der Plattform bleibst. Setze dir aber trotzdem am besten eine zeitliche Frist, wie lange du auf der Seite bleiben möchtest .YouTube soll dich ja nicht im Griff haben, sondern du sollst selbst entscheiden, was du anschaust oder wie lange du dort bleiben willst.

Schubs dich selbst!

Aber nicht nur YouTube setzt Nudging ein. Auch im Alltag bringen wir uns selbst oder andere dazu, ein bestimmtes Verhalten zu zeigen. Ein Beispiel wie wir uns ganz einfach selbst überlisten können: Stelle eine große Wasserflasche auf deinen Schreibtisch, um über den Tag mehr zu trinken. Probiere es doch einfach mal aus!

Dieser Beitrag entstand im Rahmen einer Kooperation von Handysektor mit der Universität Hohenheim. Der Beitrag wurde von den Master-Studierenden Lena Valentin und Denise Dietrichs konzipiert und von der Handysektor Redaktionsleitung redigiert.