Warum gibt es keine klare Podcast-Rangliste in Deutschland?

Bücher, TV-Sendungen, Games, Zeitschriften und natürlich Musik-Singles: Von so ziemlich allen Medienprodukten in Deutschland gibt es eine klare Rangliste. Erfolgreich ist, was am meisten gekauft, geschaut oder gehört wird und zwar insgesamt. Eigentlich wollten wir dir in diesem Artikel die deutschen Podcast-Charts vorstellen… doch dann kam es ganz anders.

Podcast-Charts: Ein großes Chaos?

Obwohl es in Deutschland für fast alles genaue Standards gibt, scheinen sie bei Podcast-Charts komplett zu fehlen. Tatsächlich gibt es keine offiziellen, plattformübergreifenden Charts, in denen die Erfolge der Podcasts gemessen werden. Stattdessen veröffentlichen die großen Plattformen jeweils ihre eigenen Charts – mit eigenen Regeln. Das heißt, dass es z.B. bei den Apple-Podcast-Charts beispielsweise nicht darum geht, wer die meisten Downloads hat. Wie genau Apple die Rangliste erstellt, ist sogar völlig unbekannt. Veröffentlicht ist nur, dass es um Anzahl der Abonnent*innen, ganz gehörte Folgen und Interaktionen mit den Podcasts geht.
Natürlich hat auch die größte Streaming-Plattform-Spotify eigene Charts, die täglich aktualisiert werden. Hier kann man sich die Top-Podcasts außerdem nach Genre sortieren lassen, wenn man zum Beispiel mehr über die Top Comedy- oder Nachrichtenpodcasts erfahren will.

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Wer ist denn nun erfolgreich?

Die Podcast-Charts ändern sich eigentlich täglich. Kommt der neue „Kottbruder“-Podcast von Paluten und German Let’s Play raus, ist der ziemlich schnell auf Platz 1. Kurze Zeit später ist es dann schon wieder ein anderer Podcast. Wer sich die Podcast-Charts verschiedener Anbieter aber mal genauer anschaut sieht, dass es schon immer wieder ein paar Überflieger gibt. Dazu gehören unter anderem Influencer- und Promi-Podcast, wie zum Beispiel Fest & Flauschig oder Baywatch Berlin. Diese Podcasts bestehen meist aus einem lockeren und witzigen Gespräch, also die perfekte Unterhaltung für die Ohren. Doch auch ein weiteres Thema scheint Podcast-Hörende bei uns besonders zu interessieren: Mord & Verbrechen. Sogenannte True-Crime-Podcasts (d. h. es wird von Verbrechen berichtet, die wirklich stattgefunden haben) sind oft mehrfach in den Top 10 der Charts!
Um dann noch andere Formate zu finden, muss man schon ein ganzes Stück weiter als die Top 10 gehen. Dann finden sich auch Nachrichten- oder Wissens-Podcasts (z. B. Eine Stunde History) oder Entspannungs- und Meditationspodcasts.

Wird es irgendwann einheitliche Podcast-Charts geben?

Die Unterschiede der Podcast-Charts lassen sich auch ganz stark auf den Plattformen sehen. Während bei Spotify eher Influencer- und Promi-Podcasts, True-Crime und auch mal Podcasts zu Liebe und Sexualität auf den ersten Plätzen stehen, sieht man auf Apple Podcasts häufig mehr Nachrichten und Aktuelles. Bei kleineren Podcast-Plattformen ist der Unterschied oft noch größer. Das kann natürlich einerseits an der Zielgruppe liegen. Man könnte also vermuten, dass Spotify vor allem junge Menschen nutzen und daher gerne ihren liebsten Influencern zuhören. Doch vor allem die unterschiedliche Berechnung der Plattformen, welcher Podcast erfolgreich ist, macht einheitliche Charts aktuell unmöglich. Es müsste also zunächst mal ein einheitlicher Standard her, mit dem die Podcasts in Charts einsortiert werden. In den USA gibt es das schon und die großen Podcast-Plattformen halten sich daran. Wir dürfen gespannt bleiben, ob es in Zukunft auch in Deutschland einheitliche Podcast-Charts geben wird.
 

Artikel vom 05/19/2022.