Ob auf der PlayStation, dem PC, der Nintendo Switch oder dem Smartphone – Videospiele gehören für viele von uns zum Alltag. Manche spielen nur gelegentlich, andere verbringen mehrere Stunden pro Woche oder sogar am Tag damit. Oft hört man von Eltern und Lehrer*innen, dass Gaming schlecht für uns ist und aggressiv macht. Aber stimmt das wirklich? Oder können Videospiele vielleicht sogar bestimmte Fähigkeiten und Eigenschaften fördern?
Diese Frage haben sich auch zwei Jungs aus unserer Community gestellt:
„Sind Videospiele nur schlecht für das Gehirn oder auch gut?“
Egal, ob du selbst gerne spielst oder einfach wissen möchtest, was Gaming mit deinem Gehirn macht – ganz so einfach wie „Videospiele sind schlecht“ oder „Videospiele sind gut“ ist es auf jeden Fall nicht. Deshalb versuchen wir zu erklären, was Videospiele mit deinem Gehirn machen.
Machen Videospiele das Gehirn wirklich kaputt?
So pauschal kann man das nicht sagen. Videospiele verändern zwar, wie unser Gehirn bestimmte Aufgaben verarbeitet, aber das bedeutet nicht sofort etwas Schlechtes.
Bestimmte Spiele können sogar positive Effekte haben. Beim Spielen muss das Gehirn häufig mehrere Informationen gleichzeitig verarbeiten, schnelle und dennoch komplexe Entscheidungen treffen und sich an neue Situationen anpassen. Das Max-Planck-Institut und das Leibniz Institut für Psychologie haben etwa herausgefunden, dass Videospiele Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, räumliches Verständnis oder strategisches Denken trainieren können.
Auch das Lernverhalten kann durch Spiele unterstützt und verbessert werden: Spiele können etwa Wissen vermitteln, weil man sich aktiv mit einem Thema beschäftigt. Aber auch soziale Skills wie dem Bilden neuer Freundschaften, dem gemeinsamen Arbeiten an einer Aufgabe oder die Kreativität bei der Neuentwicklung von Spielstrategien oder Taktiken können Spiele fördern.
Das bedeutet aber nicht, dass möglichst viel Gaming automatisch besonders gut für das Gehirn ist. Wie bei allem gilt nämlich: Die Dosis macht das Gift.
Wann kann Gaming problematisch werden?
Problematisch wird Gaming vor allem dann, wenn es andere wichtige Bereiche des Lebens verdrängt. Dazu gehören zum Beispiel Schlaf, Schule, Bewegung und Beziehungen wie Freundschaften oder die eigene Familie.
Wer regelmäßig bis spät in die Nacht spielt und deshalb zu wenig schläft, ist am nächsten Tag müde und kann sich deshalb schlechter konzentrieren. Auch langes Sitzen und wenig Bewegung können negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Also ist vor allem die Frage „Was könnte ich anstelle des Spielens machen?“ wichtig.
Was macht Gaming mit dem Belohnungssystem im Gehirn?
Videospiele arbeiten immer mit Belohnungen. Du besiegst deinen Gegner, bekommst einen seltenen Gegenstand und steigst ein Level auf. Solche Erfolge aktivieren das Belohnungssystem im Körper.
Dabei spielt unter anderem der Botenstoff Dopamin eine große Rolle. Dopamin ist ein sogenanntes „Glückshormon“ in unserem Körper, das stark mit Motivation, Lernen und Belohnung zusammenhängt.
Das bedeutet aber nicht, dass Videospiele sofort abhängig machen. Eine starke Gewohnheit oder sogar eine Gaming-Störung entsteht nicht allein dadurch, dass beim Spielen Dopamin ausgeschüttet wird. Entscheidend ist vielmehr, ob jemand die Kontrolle über das Spielen verliert und andere Lebensbereiche dauerhaft darunter leiden, weil sie verdrängt werden.
Was kann ich tun, wenn ich merke, dass ich zu viel spiele?
Wenn du bemerkst, dass Gaming zu groß in deinem Leben wird, hier ein paar Fragen:
- Schlafe ich wegen des Spielens regelmäßig zu wenig?
- Vernachlässige ich die Schule oder andere Aufgaben?
- Habe ich noch genug Zeit für Freund*innen, Familie und andere Hobbys?
- Spiele ich manchmal weiter, obwohl ich eigentlich aufhören möchte?
- Bin ich schlecht gelaunt oder gereizt, wenn ich nicht spielen kann?
Wenn du mehrere dieser Fragen mit „Ja“ beantwortet hast, kann es sinnvoll sein, deine Spielgewohnheiten genauer anzuschauen und zum Beispiel mit deinen Eltern darüber zu reden.
Also: Sind Videospiele eher gut oder eher schlecht für das Gehirn?
Videospiele sind nicht grundsätzlich schlecht für das Gehirn oder die Entwicklung. Bestimmte Spiele können sogar Fähigkeiten fördern. Gleichzeitig kann übermäßiges Gaming problematisch werden, wenn Schlaf, Bewegung, Schule oder soziale Kontakte darunter leiden.
Es geht deshalb nicht darum, Videospiele grundsätzlich zu verbieten. Viel wichtiger ist ein bewusster, achtsamer Umgang damit. Gaming kann ein unterhaltsames und gemeinsames Hobby sein – solange es nicht dein gesamtes Leben bestimmt.
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