Geht es darum, dass Facebook Daten geklaut hat? Oder dass jemand Daten von Facebook geklaut hat? Was passiert ist, wer dahintersteckt und wer schuld ist? Wir klären das mal.

Was ist passiert?

Die Datenanalysefirma Cambridge Analytica ist an Informationen von bis zu 50 Millionen Facebook-Nutzern gekommen. Solche Daten können beispielsweise genutzt werden, um Menschen die passende Werbung anzuzeigen. Denn über das Verhalten bei Facebook (was man sich anschaut oder liked) und die angegebenen Informationen lassen sich einfach Hobbys, Interessen und sogar die Persönlichkeit von Menschen ablesen. Cambridge Analytica wird sogar vorgeworfen, dass sie mit gezielter Werbung die letzten Präsidentschaftswahlen in den USA beeinflussen wollten.

Warum ist das so ein Skandal?

Facebook ist eigentlich dazu verpflichtet, seinen Nutzern genau bescheid zu geben, wenn Daten an Dritte, das heißt andere Unternehmer, weitergegeben werden. Dass Apps auf Facebook Zugriff auf verschiedene Profilinformationen haben ist eigentlich ziemlich normal. Dass diese also nochmals weitergegeben werden, nicht. So ist es aber im Fall Cambridge Analytica passiert.

“Das heißt es wurden nicht nur die Daten der „thisisyourdigitallife“-Nutzer gesammelt, sondern auch die öffentlichen Infos von deren Freunden.”

Wie konnte das passieren?

Passiert ist das Ganze eigentlich schon vor 5 Jahren, nämlich im Jahr 2013. Der Wissenschaftler Aleksandr Kogan hat eine Facebook-App mit Namen „thisisyourdigitallife“ entwickelt und online gestellt. Die App war ein Persönlichkeitstest, mit ein paar Klicks konnte man sein Ergebnis erhalten. Solche Apps waren auf Facebook vor ein paar Jahren sehr beliebt. Klar, dass über 27.000 Facebook-Nutzer sie benutzt haben. Was vielen dabei wohl nicht bewusst war: Um die kleine App zu nutzen, mussten sie der App Zugriff auf Daten aus ihrem Facebook-Profil gewähren. Doch nicht nur das: Auch auf die Daten befreundeter Nutzer hatte die App dann Zugriff. Das heißt es wurden nicht nur die Daten der „thisisyourdigitallife“-Nutzer gesammelt, sondern auch die öffentlichen Infos von deren Freunden. Insgesamt sind damit dann wahrscheinlich rund 50 Millionen Menschen betroffen gewesen.

Faceook Login

Was hat die App dann mit den Daten gemacht?

Dass Facebook-Apps Daten sammeln, ist nicht ungewöhnlich. Viele kleine Tests oder Mini-Spiele die man auf Facebook machen kann, sammeln einige Infos. Aber eigentlich regelt Facebook ziemlich klar, dass die Apps und Spiele die gesammelten Daten nicht an andere weitergeben dürfen. Der Entwickler von „thisisyourdigitallife“, Aleksandr Kogan, hat genau das aber gemacht. Er hat die gesammelten Daten an Cambridge Analytica übermittelt und damit ganz klar gegen die Datenschutz- und Nutzungsbedingungen von Facebook verstoßen.

Okay, das war 2013. Wäre das heute auch noch möglich? 

Facebook hat die Möglichkeiten für Apps auf Facebook schon 2014 deutlich eingeschränkt. Apps haben zum Beispiel keine Möglichkeit mehr, auf öffentliche Informationen von Freunden der App-Nutzer zuzugreifen. Ausgelöst durch den neuen Skandal hat Facebook außerdem zugesagt, Apps zukünftig genauer zu checken und will ihnen den Zugriff auf Daten entziehen, wenn die App seit 3 Monaten nicht mehr genutzt wurde.

Wer ist jetzt eigentlich schuld?

So leicht ist das gar nicht zu beantworten, denn es gibt wohl eher mehrere, die nicht alles richtig gemacht haben.

Alexandr Kogan / Cambridge Analytica

Der Entwickler hat die Daten an Cambridge Analytica weitergegeben und das Unternehmen hat sie wohl auch benutzt. Das hätte eigentlich ja gar nicht passieren dürfen.

Facebook

Die Plattform hat die riesige Datenweitergabe ja erst möglich gemacht. Außerdem kann man Facebook schon vorwerfen, dass sie ihre Nutzer nicht ausführlich genug darüber aufklären, was mit ihren Daten passiert. Das Feld in dem man der Datennutzung durch die Apps zustimmt, ist schnell weggeklickt.

Wir selbst?

Man kann sich auch an der eigenen Nase packen. Wer sich entscheidet Plattformen wie Facebook (oder Instagram, Snapchat und Co.) zu nutzen, der sollte sich eigentlich auch über die Privatsphäre-Einstellungen der Dienste informieren. Wenn die Plattformen uns schon nicht gut genug schützen, müssen wir eben selbst aktiv werden. Mit diesem Link könnt ihr schon mal bei den Apps ausmisten: Schmeißt die raus, die ihr wirklich nicht braucht.

Artikel vom 28.03.2018.