Die Debatten um Social Media sind aktuell groß: Sei es beim Thema Social-Media-Verbot für Kinder oder Gerichtsurteile gegen die großen Plattformen. Doch möchten wir soziale Medien nutzen, dann kommen wir um die großen Plattformen nicht drumherum – oder? Eine mögliche Alternative ist das Fediverse. Wir erklären dir, was das Fediverse ist und ob es als echte Alternative mit den großen Plattformen mithalten kann.
Was ist das Fediverse?
Der Begriff Fediverse setzt sich aus den Begriffen Federation (Föderation) und Universum zusammen. Gemeint ist eine Ansammlung verschiedener Soizialer Medien, die alle miteinander verbunden sind. Allerdings sind das nicht die „klassischen“ Social Media Angebote, wie etwa Instagram und TikTok, sondern alternative Plattformen, die in der Regel als datenschutzfreundlicher gelten. Das coole ist: Im Fediverse kannst du verschiedene Instanzen frei aussuchen oder sogar nach deinen eigenen Wünschen erstellen, mit denen du auf die Plattformen im Fediverse zugreifst. Klingt irgendwie kompliziert? Wir erklären es dir Stück für Stück.
Verglichen wird das Fediverse oft mit E-Mails: Du kannst entscheiden, zu welchem E-Mail-Anbieter (bzw. zu welcher Instanz im Fediverse) du gehst. Trotzdem kannst du aber mit allen E-Mail-Adressen schreiben (und alle Plattformen im Fediverse nutzen) und nicht nur mit den Personen, die denselben Anbieter haben wie du.
Das ist anders in den Sozialen Medien: Entscheidest du dich für eine App, ist diese ein geschlossenes System. Du kannst beispielsweise nicht über WhatsApp mit jemandem auf Telegram schreiben.
Instanzen frei wählen und trotzdem mit allen kommunizieren
Um im Fediverse eine Plattform nutzen zu können, musst du dich vorher bei einer sogenannten Instanz anmelden, welche du dir frei aussuchen kannst. Jede Instanz wird von einer anderen Person gehostet (also geleitet) und moderiert, weshalb sie unterschiedliche Regelungen haben. Wenn du deine Instanz gewählt hast, kannst du darüber auf die sozialen Plattformen im Fediverse zugreifen. Mittlerweile haben sich da verschiedene gebildet, zum Beispiel:
- PeerTube, ähnlich wie YouTube
- Pixelfed, ähnlich wie Instagram
- Loops, ähnlich wie TikTok
- Mastodon, ähnlich wie X
- Nextcloud, ähnlich wie Dropbox
Deine Instanz kannst du später jederzeit wieder wechseln. Weil du dir aussuchen kannst, über welchen Weg du auf die Plattformen zugreifst, nennt man das dezentral.
Möchtest du stattdessen klassische soziale Medien wie Instagram, YouTube oder TikTok benutzen, musst du dich bei der jeweiligen App selbst anmelden. Weil du nur über den Anbieter selbst auf die Videos und Co. zugreifen kannst und deine Instanz nicht aussuchen kannst, nennt man das zentral.
Welche sozialen Netzwerke gibt es im Fediverse?
Neben Plattformen wie Pixelfed oder PeerTube gibt es noch unzählige weitere Plattformen. Eine genaue Übersicht dazu zu finden, ist schwierig – hier hilft es einfach zu googeln, welche Alternativen es zu deinen Lieblingsapps im Fediverse gibt. Hast du dich bei einer Instanz angemeldet, kannst du über diesen Zugang die Plattform, für die du dich entscheidest, nutzen.
Vorteile vom Fediverse im Vergleich zu klassischen Social-Media-Apps
Im Fediverse gibt es kaum Werbung. Zudem wird der Feed in der Reihenfolge angezeigt, wie die Beiträge hochgeladen werden (chronologischer Feed). Das ist anders als bei TikTok, Instagram, YouTube und Co.: Denn hier wird dein Feed von einem Algorithmus bestimmt und perfekt auf deine Interessen angepasst.
Social Media Plattformen wie Instagram oder TikTok sammeln Daten über dich. Zum Beispiel, welche Videos du dir anschaust, welche Themen du magst und was du nicht magst. Anhand dessen schlägt der Algorithmus dir Videos vor, die dir gefallen könnten. Dabei kann es aber auch sein, dass dir viele Inhalte gar nicht angezeigt werden. Das ist schade: denn es kann verhindern, dass du deinen eigenen Horizont erweiterst und immer nur wieder das wiedergekäut bekommst, was du schon kennst. Durch den chronologischen Feed im Fediverse soll genau das verhindert werden.
Du kannst beim Fediverse entscheiden, welche Daten über dich gesammelt werden. Das geht über die Instanz, die du dir aussuchst. Wählst du im Fediverse eine Instanz, die wenig Daten sammelt, dann kannst du deine Daten besser schützen. Bei den klassischen Social-Media-Apps hast du diese Auswahl nicht. Du musst stattdessen ein Benutzerkonto bei der jeweiligen App erstellen und ihre Bedingungen akzeptieren, wenn du sie nutzen möchtest.
Was sind Herausforderungen beim Fediverse?
Auch wenn das Fediverse viele Alternativen für die Punkte anbietet, die an den großen Social-Media-Plattformen kritisiert werden, gibt es natürlich trotzdem Herausforderungen.
Das Fediverse ist kein 1-zu-1-Ersatz für Social Media Apps: Die Inhalte im Fediverse müssen gepostet werden, damit du sie darüber sehen kannst. Denn Schnittstellen zu den großen Plattformen wie Instagram oder TikTok gibt es bisher nicht, da diese geschlossene Systeme sind. Damit du deine Lieblingsinfluencer*innen weiter verfolgen kannst, müssten sie also ihre Beiträge auch im Fediverse hochladen.
Löschanfragen müssen von allen Instanzen bearbeitet werden: Wenn du Beiträge löschen möchtest, kannst du das auf deiner jeweiligen Instanz selbst tun. Damit geteilte Inhalte, die an andere Instanzen geschickt wurden, auch dort gelöscht werden, wird eine Löschanfrage geschickt. Diese muss von der jeweiligen Instanz dann umgesetzt werden.
Keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: Das ist im Fediverse nicht der Standard – die Betreiber der Instanzen könnten aus technischer Sicht also auf deine Nachrichten, die du über ihre Instanzen verschickst, zugreifen.
Sind Nachrichten Ende-zu-Ende-verschlüsselt, können die Nachrichten nur auf den Geräten gelesen werden, die sie verschicken oder empfangen. Das bedeutet, dass die Plattformen nicht darauf zugreifen können. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung fehlt aber auch bei vielen großen sozialen Plattformen. Instagram bietet diese nach dem 8. Mai 2026 beispielsweise nicht mehr an, auch TikTok hat keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.
Fazit: Das Fediverse als Alternative für die gängigen sozialen Medien?
Das Fediverse greift viele Kritikpunkte auf, die mit den großen Plattformen in Verbindung gebracht werden: Es spielt etwa Beiträge nicht über einen Algorithmus, sondern über die Posting-Zeit aus und beinhaltet kaum Werbung. Außerdem ist es dezentral organisiert, wodurch nicht eine Person oder ein Unternehmen allein entscheiden kann, wie mit Daten umgegangen wird und wie Postings ausgespielt werden. Durch die verschiedenen Instanzen kann jede Person selbst wählen, wie Social Media für sie dabei aussehen soll.
Ob es für dich eine gute Alternative ist, kommt auf deine Nutzung an. Viele Inhalte von großen Influencer*innen auf TikTok, Instagram und Co. sind hier vermutlich noch nicht zu finden. Wer aber in erster Linie mit Freund*innen kommunizieren und etwa Bilder teilen möchte, ist hier bereits jetzt gut aufgehoben. Ansonsten braucht es weitere Nutzer*innen, damit mehr und mehr Inhalte zur Verfügung stehen. So kann sich das Fediverse in den nächsten Jahren weiterentwickeln und größer werden.