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“Heute schon einen Raubkopierer angezeigt?”

Kategorie: Sicherheit
30/03/07

Die Musikwirtschaft hat ihren Kampf gegen illegale Musikdownloads verstärkt. Allein 2007 wurden schon 15.000 Strafverfahren eingeleitet. Die Musikfirmen fordern von den Internetprovidern, die persönlichen Daten von Beschuldigten leichter herauszugeben. Die Anbieter wollen diese Daten jedoch nur herausgeben, wenn ein Richter das fordert.

Umsatzrückgang bei Musikindustrie
Seit Jahren sinken die Umsätze der Musikfirmen in Deutschland. Im Jahr 2006 wurden mit CDs und Co. rund 1,7 Milliarden Euro umgesetzt, das waren 2,4 % weniger als 2005. Den Grund für diesen Rückgang sehen die Verbände der Musikwirtschaft vor allem in den illegalen Downloads. Deshalb geht sie massiv gegen alle Formen von Musikpiraterie vor.

Weniger illegale Downloads, aber mehr legale
Nach Angaben der Musikindustrie geht die Zahl der illegalen Downloads ständig zurück: Gab es 2003 noch über 600 Millionen Downloads, so waren es im Jahr 2006 “nur” noch 374 Millionen. Gleichzeitig stieg die Zahl der legalen Downloads auf 27 Millionen. Für die Industrie ist das ein Beleg dafür, dass ihr konsequentes Vorgehen gegen Raubkopierer erfolgreich war. Dazu sagt Michael Haentjes, der Vorstandschef der Phonoverbände: “Wir wollen niemanden kriminalisieren, aber die aktuelle Rechtslage zwingt uns dazu, den Weg der Strafverfahren zu gehen. Und wir wollen auch niemanden durch überzogene Schadensersatzforderungen ruinieren. Aber jedem muss klar sein, dass Internet-Piraterie kein Kavaliersdelikt ist und im Netz niemand anonym bleibt.”

Schaden ersetzen
Strafverfahren gegen vermeintliche Raubkopierer sind für die Musikindustrie also ein wichtiges Mittel. Ihrer Ansicht nach muss jede Rechtsverletzung verfolgt werden. Im Jahr 2007 wurden schon 15.000 Verfahren eingeleitet. Herr Haentjes von den Phonoverbänden rechnet mit Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe. Mit dem Erlös aus diesen Forderungen will die Musikindustrie unter anderem den Musikunterricht an Schulen unterstützen und dort das Bewusstsein für den Wert von Musik und anderem geistigen Eigentum fördern.

Her mit den Daten!
Damit Raubkopierer in Zukunft noch besser enttarnt werden können, fordert die Musikindustrie, dass Internetanbieter die persönlichen Daten ihrer Nutzer schneller herausgeben. Bislang muss ein Provider erst nach einem richterlichen Beschluss bekannt geben, welche Person sich hinter einer bestimmten IP-Adresse bzw. einem Internetzugang verbirgt. Der Verband der deutschen Internetwirtschaft (eco) sieht das allerdings sehr kritisch. In einer Pressemitteilung des Verbandes heißt es: “Mit der Einführung des zivilrechtlichen Auskunftsanspruches (...) könnten sich die Inhaber der Rechte von Musikstücken, Spielen und Filmen den Umweg über die - bereits jetzt mit den Strafanzeigen überlasteten - Staatsanwaltschaften künftig sparen, und die Internetwirtschaft direkt mit einer Flut von Anfragen nach Nutzerdaten überziehen.”

Viele Interessen im Spiel
Bei Fragen zum Urheberrecht und zum Download von Musik gibt es viele verschiedene Interessen. Während die Musikindustrie mit Anzeigen gegen Raubkopierer vorgeht, um ihre Umsätze zu schützen, spricht der Internetverband eco von einer Abmahnwelle. Verbraucherschützer fordern hingegen, dass im neuen Gesetz zum Urheberrecht eine Bagatellklausel eingebaut werden soll. Dann würden automatisch viel weniger Computernutzer gegen das Gesetz verstoßen.

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