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Werde Geheimagent

Kategorie: Sicherheit
30/05/05

Sichere Verschlüsselung von elektronischen Nachrichten, das war lange Zeit nur etwas für Experten und Geheimdienste. Mit frei verfügbarer Software kann heutzutage jeder, der einen Computer und Internet, einen PDA oder ein Smartphone besitzt, seine elektronischen Nachrichten verschlüsseln. Das durch die kostenlosen Programme sozusagen jeder zu einem kleinen Geheimagenten werden kann, gefällt den richtigen Geheimdiensten manchmal gar nicht. Verschlüsselungs-Programme können allerdings nicht nur die Privatsphäre schützen, sondern auch von Kriminellen eingesetzt werden.

Warum wird überhaupt verschlüsselt?
Viele Unternehmen betreiben ihre Geschäfte oder ihre Kommunikation mit Geschäftspartnern und Mitarbeitern über das Internet. Dann ist es sehr wichtig, dass ihre elektronische Post nicht von anderen gelesen werden kann. Wenn es z.B. einer Konkurrenzfirma gelingt, an wichtige Firmendaten zu kommen oder interne Informationen plötzlich öffentlich werden, kann das vielleicht sogar das Ende für ein Unternehmen bedeuten. Deshalb nutzen Unternehmen Verschlüsselungs-Software, um die Firmengeheimnisse auf ihren Computern und ihren mobilen Geräten zu beschützen. Es gibt noch viele weitere Beispiele dafür, warum wichtige Informationen geschützt werden müssen. Denke nur einmal an die Patientendaten von Ärzten, an militärische Geheimnisse usw.

Warum soll ich etwas verschlüsseln?
Vielleicht sagst du jetzt von dir selbst: “Ich schreibe doch gar nichts Geheimes in meine E-Mails oder beim Chat mit meinem Messenger-Programm. Warum soll ich denn dann diese Nachrichten verschlüsseln?” Die Frage ist zwar berechtigt, aber vergleiche das mal mit deiner nicht-elektronischen Post. Wenn du jemandem etwas Persönliches schreiben willst, benutzt du dazu wohl meistens einen Brief und keine Postkarte. Die Postkarte könnte jeder lesen - z.B. der Postbote. Der Brief ist durch den Briefumschlag zumindest ein wenig vor den Blicken anderer geschützt. Bei einer E-Mail gibt es keinen Umschlag. Und man kann nicht sicher sein, ob die E-Mail auf ihrem Weg zum Empfänger nicht gelesen, verändert oder irgendwo abgefangen und gespeichert wird. So ist eine E-Mail eigentlich kein “elektronischer Brief”, sondern eher eine “elektronische Postkarte”. Letztlich musst du entscheiden, wie wichtig dir deine Privatsphäre ist. Du kannst sie schützen, indem du deine elektronische Post verschlüsselst.

Ein Beispiel für Verschlüsselung von Nachrichten
Eine sehr verbreitete Form der Verschlüsselung von elektronischer Post ist das Public Key Verfahren, das zu den so genannten asymmetrischen Verfahren gehört. “Public Key” bedeutet “öffentlicher Schlüssel”. Dieser öffentliche Schlüssel ist der eine Teil eines Schlüssel-Paares. Der andere Teil ist der geheime Schlüssel, auch privater Schlüssel genannt. Jeder, der etwas mit diesem Verfahren ver- und wieder entschlüsseln möchte, braucht also zwei Schlüssel. Beide Schlüssel werden immer nur für eine Person erstellt. Wenn hier von Schlüsseln die Rede ist, sind damit natürlich keine echten Schlüssel, wie der Haustürschlüssel, gemeint. Der öffentliche und der private Schlüssel bestehen jeweils aus einer Zahlen- und Buchstabenreihe. Die Länge dieser Reihe, also die Schlüssellänge, ist ein Merkmal dafür, wie sicher die Verschlüsselung ist. Wenn dir ein Freund eine verschlüsselte Nachricht schickt, berechnet die Verschlüsselungs-Software die Daten dieser Nachricht - z.B. von einem Bild oder einem Text - mit dem öffentlichen Schlüssel. Dazu benutzt dein Freund nicht irgendeinen öffentlichen Schlüssel, sondern deinen eigenen. Natürlich muss dein Freund dafür deinen öffentlichen Schlüssel kennen. Genau aus diesem Grund heißt dieser Schlüssel auch “öffentlich”: Jeder darf ihn kennen und das muss auch so sein, damit diese Verschlüsselung funktionieren kann. Du kannst ihn z.B. per E-Mail oder über das Internet veröffentlichen. Wenn du eine geheime Nachricht an deinen Freund schicken willst, musst du seinen öffentlichen Schlüssel kennen.

Schlüssel behalten
Deinen geheimen Schlüssel darfst du nicht weitergeben. Er wird auf deinem Computer oder deinen mobilen Geräten durch ein Passwort geschützt, das du dir selbst ausdenken musst. Mit deinem geheimen Schlüssel kannst du die Nachricht von deinem Freund wieder entschlüsseln. Das funktioniert deshalb, weil beide Schlüssel eines Schlüsselpaares - der öffentliche und der geheime - miteinander über ein mathematisches Verfahren verbunden sind. Um das Public Key Verfahren nochmal zu verdeutlichen, stelle dir einmal vor, du hättest einen eigenen Briefkasten und dieser Briefkasten wäre immer offen. Neben dem Briefkasten hängt für alle sichtbar ein Schlüssel. Mit diesem Schlüssel kann der Briefkasten aber nur zugeschlossen werden. Jeder, der dir eine Nachricht schicken will kann sie in den offenen Briefkasten legen und dann den Briefkasten mit dem daneben hängendem, öffentlichen Schlüssel abschließen. Den Briefkasten wieder aufschließen kannst aber nur du allein - mit deinem geheimen Schlüssel. 

Ist Verschlüsselung eine Waffe?
Einige Regierungen und Geheimdienste haben etwas dagegen, wenn plötzlich jeder seine Nachrichten sicher verschlüsseln kann. Das musste auch der Amerikaner Philip R. Zimmermann feststellen. Er hat die Verschlüsselungs-Software “Pretty Good Privacy” (PGP) erfunden. Der Name bedeutet übersetzt etwa: “ziemlich gute Privatsphäre”. Zimmermann hat das Programm als ein Mittel zur Bewahrung der Menschenrechte, zum Schutz der Privatsphäre für jedermann entwickelt und 1991 eine Gratis-Version ins Internet gestellt. Darauf hin hat die amerikanische Polizei drei Jahre lang gegen ihn ermittelt, weil er gegen die Ausfuhrbeschränkungen der USA verstoßen haben soll. Die amerikanischen Verantwortlichen hatten Angst davor, dass eine so sichere Verschlüsselungs-Software wie PGP von anderen Ländern oder Terroristen gegen sie eingesetzt werden könnte. Ähnlich wie eine Waffe, gegen die man keinen wirksamen Schutz kennt. Das Verfahren gegen Zimmermann wurde 1996 eingestellt, aber noch immer darf starke Verschlüsselungs-Software aus den USA nicht in alle Länder exportiert werden. Auch der Gebrauch von solchen Programmen ist nicht in allen Ländern erlaubt.

Kriminelle Verschlüsselung
Geheimnisse zu schützen kann nicht nur für Unternehmen finanziell wichtig sein oder die eigene Privatsphäre absichern. Verschlüsselung wird auch immer wieder zu kriminellen Zwecken eingesetzt. So wurde im Mai 2005 ein Trojaner dazu eingesetzt, um bestimmte Dateien z.B. Textdateien, auf Windows-Computern zu verschlüsseln. Nach der Verschlüsselung löschte der Trojaner die Originaldateien und anschließend sich selbst. Zurück blieben nur die verschlüsselten Dateien, die nicht mehr zu gebrauchen waren - und eine Datei mit einer Nachricht vom Programmierer des Trojaners. Es wird berichtet, dass der Programmierer in dieser Nachricht 200 US-Dollar dafür fordert, dass er die Dateien wieder entschlüsselt. Hier wurde also Verschlüsselung zur Erpressung eingesetzt! Du brauchst jetzt aber keine Angst um deine Daten haben. Der Trojaner ist noch nicht weit verbreitet und es gibt bereits Lösungen für dieses Problem von Antivirensoftware-Herstellern.

Mehr Infos zum Thema Verschlüsselung

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